E-Book ante portas 

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Seit einigen Wochen ist das E-Book in aller Munde, ausgiebig wurde über Kindle und Co. in der Branchenpresse und im Feuilleton berichtet. Gründe gibt es viele, u.a. ist in den USA der Kindle offenbar sehr erfolgreich, er wird demnächst in Deutschland zu erhalten sein, und Sony hat nun auch einen attraktiven eReader vorgestellt. Damit sind jetzt einige Big Player am Start (wo bleibt eigentlich Apple?), und sie haben potentiell massentaugliche Produkte im Angebot. Außerdem ist die Buchmesse nächste Woche ein Fixpunkt im Literaturbetrieb – und das wichtigste Branchenthema scheinen derzeit E-Books und der Wandel in der Buchbranche zu sein. (Abgesehen vom Nobel- und Deutschen Buchpreis vielleicht.)

M.E. lesenswert: zwei in den letzten Tagen im Schweizer Tages-Anzeiger publizierte Artikel (via). Martin Ebel sieht die Vorteile für verschiedene Nutzertypen, aber auch die Gefahren für die Branche:

»Das E-Book wird die Buchhandelslandschaft erschüttern wie ein Erdbeben. Verlage werden sich verkleinern oder untergehen (viele beides), Buchhandlungen werden sterben, andere sich neu orientieren, ihre Stärke in Nischen suchen, in einem speziellen Angebot, in der Beratung. Oder sie chartern Busse und fahren aufs Land, zu den Lesern, die nicht umsteigen wollen.«

… und betont vor allem die Gefahr für den stationären Buchhandel:

»Das Geschäft mit den elektronischen Büchern wird völlig an ihnen vorbeigehen. Wo die Daten direkt vom Anbieter zum Endverbraucher fliessen, ob durchs «Whispernet» wie bei Amazon-Kindle oder durchs Internet, braucht es keinen Laden mehr.«

Sein Kollege Walter Niederberger schreibt im selben Blatt, dass Amazon in den USA etwa 12% seines Bücherumsatzes mit E-Books für den Kindle macht und bereits 240.000 Geräte verkauft hat (zum Vergleich: das iPhone hat sich im ersten Jahr 360.000-mal verkauft). Die Aussichten für Verlage malt er aber nicht ganz so schwarz:

»Natürlich haben die Verlage Angst vor dem Kindle. Sie befürchten, das Gerät mache die gedruckten Ausgaben überflüssig. Diese Angst scheint unbegründet. Nach Schätzung eines Analysten kaufen Besitzer eines Kindles online Bücher für 120 bis 150 Dollar – und zwar zusätzlich zu den gedruckten. Wer einmal angezündelt wurde, kann das Lesen nicht mehr lassen.«

Also eher die These eines zusätzlichen Marktes, ähnlich wie Hörbücher, und damit implizit wenig Auswirkung auf den Buchhandel.

Eine Umfrage unter Führungskräften deutscher Verlage zeigt, was in den nächsten fünf Jahren an Umsatz von den Verlagen erwartet wird: Wenn die Befragten keine Erfahrung mit dem Vertrieb von elektronsichen Produkten hatten, prognostizierten sie 2-7% Umsatzanteil. Hatten sie bereits Erfahrungen in ihren Häusern gesammelt, prognostizierten sie dagegen 10-25%. Ich würde etwa 15% in fünf Jahren bei uns für realistisch halten (obwohl wir auch noch keine Erfahrung mit dem E-Book-Vertrieb haben). Viel hängt davon ab, wie schnell sich die (im Moment recht teuren) Lesegeräte verbreiten, sodass es für unser E-Programm genügend Interessenten gibt. Und ich denke, dass unsere Kombination aus Buch und CD/DVD eher einen Anreiz darstellt, sich die Printversion zuzulegen …

Einen guten Überblick über den Stand der Dinge liefert dieser Artikel in der Süddeutschen. Wichtig, aber wenig beachtet in dem ganzen Hype: das Angebot an Inhalten und Dateiformaten. Dazu mehr beim Buchmarkt. Und womöglich noch wichtiger für den deutschen Markt: die Frage der Preisbindung für E-Books (hier mehr).

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