Rückblick Frankfurter Buchmesse 2011 

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Wie jedes Jahr hier unser Messerückblick Tag für Tag.

Mittwoch, 12.10.

Dieses Jahr teilten wir uns den Messestand mit den Freunden vom mairisch Verlag. Der Standaufbau war schon am Vortag von uns bewältigt worden, aber richtig abgeschlossen war er erst heute, als wir nach einigem Rumprobieren und -fluchen auch noch den Strom für die Kaffeemaschine angeschlossen bekamen.

messestand voland & quist und mairisch

Wir waren rechzeitig auf der Messe, es blieb also Zeit für einen kleinen Rundgang um die Leseinsel der Jungen Verlage, um sich die Messestände der Kollegen in Ruhe anzuschauen. Hier z.B. die Verlage Reprodukt, Milena und Onkel & Onkel.

Reprodukt

Milena Verlag

Onkel & Obkel

Ansonsten ein Tag mit wenig Terminen, u.a. Gespräche mit Veranstaltern, unseren Buchhandelsvertretern und mit Rowohlt und btb über Taschenbuchlizenzen. Ich traf mich mit unserem Ex-Kommilitonen Ivo von escriptum, um unseren Produktionsablauf im Hinblick auf E-Books zu verbessern. Später besuchte uns, Jess Jochimsen spontan am Stand – schön ihn endlich mal persönlich kennenzulernen. Und eine besondere Freude war der mittägliche Überraschungsbesuch unseres Autors Roman Simić, dessen von uns sehnsüchtig erwartetes neues Buch nun wohl langsam Gestalt annimmt und (hoffentlich) im Herbst 2012 das Licht der deutschsprachigen Welt erblicken wird.

Abends dann eine gut besuchte Lesung von Kirsten Fuchs im Frankfurter Kunstverein.

kirsten fuchs bei open books

Donnerstag, 13.10.

Leif war wieder viel im Dienste der Taschenbuchlizenzen unterwegs, ich hatte ein paar Pressegespräche, u.a. mit Spex und FM4. Sehr erfreulich: 1Live »Shortstory« interessiert sich für zwei Erzählungen aus Edo Popovićs »Tattoogeschichten« – Sendung wahrscheinlich Ende November. Außerdem besuchten wir unsere Autorin Olja Savičević am kroatischen Messestand, die dort ihren Roman »Lebt wohl, Cowboys« vorstellte (Wermutstropfen: eine Übersetzung des Gesprächs fand nicht statt, das sollten die kroatischen Organisatoren unbedingt in Zukunft ändern).

olja savicevic (re.)

Am Abend besuchte uns René Kohl von Kohlibri am Stand und es entspann sich eine kleine Fachsimpelei über den Buchmarkt, in deren Verlauf er von einem kürzlich geführten Gespräch mit einem Journalisten und einem Verlagskollegen erzählte. Sie sprachen darüber, welche Verlage in den letzten zehn Jahren wichtig für den Buchmarkt waren, weil sie etwas Neues gemacht haben, etwas »Cooles«. Die Frage war, wie würden Leute, die 20 oder 30 sind sich heute im Bereich Literatur engagieren? Zuallererst fielen ihnen natürlich der Tropen Verlag und Blumenbar ein, die mit ihrer ungewöhnlichen aber zeitgemäßen Gestaltung gezeigt haben, wie man heute Leser ansprechen muss. Außerdem wurde orange press im Bereich Neue Theorie genannt, kookbooks für zeitgenössische Lyrik, und Die Gestalten für Internationalität und Professionalität. Und schließlich auch Voland & Quist wegen der Kombination von Buch und CD. Das hat uns natürlich gefreut.

Nach Messeschluss ging es direkt in die Äppelwoi-Kneipe Zum gemalten Haus, wo wir mit den Kollegen von Luftschacht und Lilienfeld ein paar Bembel und Würste vernichteten, einem TV-Interview mit Paul Potts beiwohnen durften (Hat der etwa ein Buch veröffentlicht?!), welches die hektischen Kellner im überfüllten Etablissement sehr aufregte, und schließlich gegen Mitternacht vor die Tür gekehrt wurden. Wir zogen um die Ecke in eine kleine Lounge weiter, ein Teil der Kollegen schaffte es später sogar noch zum frühmorgendlichen Branchentreff in den Frankfurter Hof.

Freitag, 14.10.

Ein paar Pressegespräche für mich, ein paar Termine wegen Booking für Leif. Außerdem ein Treffen mit einer Agentin, die ein für uns interessantes Buchprojekt im Angebot hat. Außerdem hatte ich Zeit und Gelegenheit mir den Messeauftritt des Gastlandes Island anzuschauen – definitiv ein Messehighlight! Es war dunkel, still und überall standen riesige Videoleinwände, auf denen in Bücher vertiefte Menschen vor Bücherregalen zu sehen waren. Der Lärm und die Hektik der Messe blieben draußen, und man fühlte sich wie in einer isländischen (Lese-)Höhle.

gastland island

gastland island

Abends dann die Verleihung der »Hotlist 2011«, des Preises der Independent-Verlage im Sinkkasten, moderiert von Jakob Augstein und Charlotte Roche.

hotlist 2011. moderation: augstein und roche

Der Preis ging an Nino Haratischwili für den Roman »Mein sanfter Zwilling«. Den Melusine-Huss-Preis der Hotlist erhielt der Stroemfeld Verlag für Peter Kurzecks Roman »Vorabend«.

Im Anschluss dann book fair a-go-go, die Party der Jungen Verlage mit dem isländischen Dj Maggi Lego.

book fair a-gogo 2011 mit dj maggi lego

Sonnabend, 15.10.

Leif und ich überließen ab mittags den Stand unserer Assistentin Luisa und fuhren nach Kassel, wo unserer Autorin Nora Gomringer der Jacob-Grimm-Preis verliehen wurde.

kulturpeis deustche sprache 2011

Nora Gomringer erhält den Jacob-Grimm-Preis

Sonntag, 16.10.

Traditionell steht der Buchmessesonntag im Zeichen des Buchverkaufs (an Messebesucher) und -tauschs (mit Kollegen). Und obwohl wir uns vornahmen, nicht wieder stapelweise Bücher heimzuschleppen, machten uns wieder viele großartige Bücher der Kollegen schwach und es endete wie immer: Im Gepäck landete genug Lesestoff für ein ganzes Jahr. Hier, hier, dort und da sowie hier ein paar Beispiele.

Am Nachmittag wurden dann trotz des Sonntagsentspannung mit Fabian von Tubuk und Leander Wattig Kooperationsideen ausgetauscht, die hoffentlich in naher Zukunft Früchte tragen werden.

Leif und mir kam es übereinstimmend ruhiger vor als letztes Jahr, d.h. weniger Termine und Gespräche, dafür waren diese aber intensiver und (hoffentlich) ertragreicher. Außerdem kamen uns viele Ideen für große und kleine Projekte, die wir »nur noch« neben dem normalen Verlagsgeschäft zu verfolgen müssen.

3 Kommentare:

  1. hach ja, der manu ist ein ziemlich toller comic-macher..sein buch „die rückkehr aufs land “ habe ich schon viermal vor- und rückwärts gelesen und es ist das großartigste comic, das ich je gelesen habe. ganz, ganz wunderbar..

    7. November 2011 | 00:32 
  2. Oha, dann muss ich das auf jeden Fall auch noch lesen. Von „Der alltägliche Kampf“ war ich jedenfalls schwer begeistert.

    7. November 2011 | 10:37 
  3. ein schöner Bericht, da werden Erinnerungen wach. Und macht gespannt, was in den kommenden Jahren noch so Neues in der Verlagsbranche, vor allem von jungen „Buchleuten“, passieren wird…
    Den Appelwoi habe ich als Buchmesse(und Frankfurt)-Neuling auch kennengelernt. noch besser war die grüne Sauce :) Aber bei diesem Käse – wie heißt der? – bleib ich noch skeptisch. Vielleicht im nächsten Jahr..

    10. November 2011 | 17:32 

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