Über das Verlegen 

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Ich möchte an dieser Stelle auf ein äußerst lesenswertes Interview mit zwei Überzeugungstätern hinweisen: den (unabhängigen) Verlegern Klaus Wagenbach und Andreas Rötzer. In einer Nebenrolle wir als »die Buben aus Dresden« :D

Hier ein paar ausgewählte Schmankerl:

Klaus Wagenbach auf die Frage, ob er jedem zu einer Verlagsgründung raten würde:

Wagenbach: Eigentlich jedem, der weiß, was auf ihn zukommt. Ich kann mich gut [an Vito von Eichborn] erinnern. Er sagte damals, er möchte so einen Verlag machen wie ich. Daran hatte ich allerdings gleich meine Zweifel. Es kommen bis heute junge Verleger, um sich Rat zu holen, vor kurzem erst die Buben aus Dresden.

Rötzer: Voland und Quist

Wagenbach: Ja.

Klaus Wagenbach ist eines unserer Vorbilder. Genug gesagt. Gefragt nach seinem Erfolgsrezept meint er:

Der Erfolg stellt sich ein, wenn man keine Kompromisse macht, ein Überzeugungstäter ist. Wenn man spürt: das muss ich unbedingt verlegen, das will ich den Lesern zeigen. Damit fällt man natürlich andauernd auf die Schnauze. Aber so macht man deutlich, dass man eine Kompetenz entwickelt hat.

Das ist aber eben auch eine der Annehmlichkeiten des unabhängigen Verlegens: Nichts machen zu müssen, hinter dem man nicht steht. Natürlich klappt nicht alles. Aber wir sind ebenfalls der Meinung, dass es nur so funktioniert und man außerdem gegenüber Lesern, Buchhändlern und Journalisten nur auf diese Weise eine Unverwechselbarkeit entwickelt.

Man braucht aber hin und wieder auch Glück, eine Erfahrung die wir auch schon gemacht haben (und die einen irgendwie auch entspannter sein lässt). Die Basis dafür ist natürlich wiederum ein konsequentes Programm. Dazu die beiden Verleger:

Rötzer: Ich glaube auch, dass man Glück braucht, aber man kann dem Glück den Boden bereiten mit einem Programm, das möglichst unerschrocken einer eigenen Idee folgt, man muss sich treu sein – oder sich finden.

Wagenbach: Man darf nicht heute das machen, morgen das und der Bestseller-Verlockung erliegen. Die Gemischtwarenläden sind zum Untergang verurteilt. Man muss eigen-sinnig sein im Wortsinn.

Mehr muss muss man dazu eigentlich nicht sagen …

Andreas Rötzer auf die Frage, ob es waghalsiger ist als vor 40 Jahren, sich mit einem Verlag selbständig zu machen.

Rötzer: Es war vermutlich immer schon schwer, und dann, wenn man glaubt, es ist besonders schwer – wie vielleicht heute – sind auch die Chancen am größten. Wir leben in einer Zeit, die für einen Verlag wunderbare Möglichkeiten bietet, neue Wege zu gehen. Man bewegt sich in unberührtem Schnee. Es ist aufregend, heute einen Verlag zu machen, aber eben anders aufregend als in den 70ern.

Genauso ist es. Aber ich will hier auch nicht alles wiedergeben, dieses Interview muss man komplett lesen – es stecken noch viel mehr wahre, kluge und auch humorvolle Aussagen darin. Deswegen nochmal der Link.

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