»Erzählen first!« Im Gespräch mit unserer Autorin Susanne Schirdewahn

Susanne Schirdewahn studierte Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seitdem ist sie als bildende Künstlerin, Autorin und Kuratorin tätig. Als Kolumnistin schreibt sie für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und ist Lesegast bei diversen Lesebühnen. In wenigen Wochen erscheint ihr Roman Karacho bei uns. Höchste Zeit also, um ein bisschen mehr über sie und ihr Buch zu erfahren.

Liebe Susanne, wir starten mit den leichten Fragen. Katharsis oder Prozess?
Susanne: Prozess!

Analog oder digital?
Susanne: Analog! Ich bin Mix-Kassetten-Fanin.

Entscheidungen mit dem Bauch oder mit dem Kopf?
Susanne: Mit dem Herzen!

Du bist Künstlerin – unter anderem zeichnest du auch. Was kann Kunst für dich, was Literatur nicht kann?
Susanne: Kunst ist für mich ein unzensierter Rausch, ganz ohne Lektorat. Der Zugang zum Bild findet oft auf einer anderen Ebene statt als beim Text.

Und was kann Literatur, was Kunst nicht kann?
Susanne: Literatur bietet eine Basis für Begegnungen und führt darin vielleicht mehr zum inhaltlichen Austausch. Die Idee einer gemeinsamen Sprache kann verbindend wirken.

Wie suchst du aus, ob dein Stoff ein Bild oder ein Text wird?
Susanne: Erzählen first! Damit meine ich, dass sich Erzählungen immer das passende Medium oder Werkzeug suchen. Schreiben, malen, zeichnen.

____________________________________________

Die Künstlerin Kira, Mitte vierzig, lebt mit ihrem Ehemann Vau und zwei jugendlichen Söhnen in Berlin. Eines Tages verabschiedet sich Vau mit den Worten: Ich liebe dich nicht mehr. Und als wäre das nicht genug, hat er auch noch eine Neue, jünger und bald auch schwanger. Kira muss sich entlieben, doch wie soll das nach 20 Jahren Ehe gehen?

»Dies ist eine große Ballade von der zerbrochenen Liebe. Traurig, aber mit einer schönen Melodie!« — Sven Regener

_____________________________________________

Karacho ist Text geworden. Wie geht’s dir jetzt, wo du deinen Text so schwarz auf weiß siehst?
Susanne: Es geht ums loslassen. Aber ich bin vor allem aufgeregt, dass das Buch jetzt in die Welt kommt. Eigentlich bin ich froh, unglaublich froh. Bei einem Roman muss man ja sehr viel durch ein Nadelöhr bringen, so dass es Hand und Fuß hat.

In deinem Roman geht es um eine Frau, für die sich von heute auf morgen alles ändert. Neben dem Schmerz, spürt sie nach einer Zeit auch Erleichterung. Irgendwann erkennt sie: Es ist höchste Zeit, neuen Mut zu fassen. Und das macht sie mit «Karacho». Das Wort hat ja verschiedene Bedeutungen, unter anderem «Tempo» oder auch «mit Schwung». Was bedeutet denn der Titel für dich?
Susanne: «Wucht» passt für mich sehr gut. Ich habe oft beim Fahrradfahren so freie Denkmomente, bin in die Pedale getreten und da fiel mir das Wort ein, das auch so gut unsere aktuelle Welt beschreibt: Es passiert so viel Unvorhersehbares, andauernd brechen äußere und persönliche Welten zusammen. «Karacho» ist das, was vor der Ohnmacht passiert, wenn das, was man für unmöglich gehalten hat, möglich wird.

Wie zum Beispiel auch am Ende deines Romans. Da stellt die Protagonistin verwundert fest, dass sie vielleicht doch auch so ein «Caspar David Friedrich-Typ» ist. Melancholisch und mit einem Hang zur Dramatik. Was dachte sie denn, was sie für ein Typ sei?
Susanne: Darum geht‘s ja erstmal gar nicht. Es geht darum, dass viele so schnell sagen, wer oder was sie sind. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich immer wieder selbst überrascht, was noch so alles in einem steckt und dass man das Staunen darüber nicht vergisst.

Und jetzt sag noch schnell: Welches Lied hast du am Anfang vom Schreiben an deinem neuen Roman Karacho am meisten gehört?
Susanne: Das war wohl The Police mit Every Breathe you Take.

Und am Ende?
Susanne: Benson Boone mit Mystical Magical.

Da ist der besagte Prozess! Willst du vielleicht noch den Rest deiner Playlist teilen, damit man die richtige Musik zur Lektüre von Karacho hat? 

Susanne: Na klar!
Hildegard Knef- und langsam ging’s bergab
Franz Ferdinand- Darts of pleasure
Zaz- je veux
Eminem- without me
Beth Ditto- Fire
Mia- hungriges Herz
Milky Chance-Stolen Dance

Wir freuen uns auf Susanne Schirdewahns Buch Karacho, das am 06. April bei uns erscheint.