Anna Atkins, geboren 1799 im englischen Tonbridge, gestorben 1871 in Halstead, gilt heute als eine der ersten Fotografinnen. Mit ihrer unermüdlichen Arbeit leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft des viktorianischen Zeitalters — und wurde doch kaum wahrgenommen. Zu einer Zeit, in der Erinnerung, Dokumentation und Bebilderung fast ausschließlich der Malerei und Illustration vorbehalten waren, widmete sie sich einem einfachen manuellen Verfahren, das mit Hilfe von bloßem Licht und UV-empfindlich beschichtetem Papier neue Möglichkeiten der Abbildung schuf. Die so entstandenen Cyanotypien gelten heute als Vorläufer der späteren Fotografie.
In ihrem dritten Prosatext nach »du, alice« (2019) und »Rosa in Grau« (2022) verfolgt Simone Scharbert ihr Projekt des Sichtbarmachens weiblicher Biografien weiter. Sie erzählt, wie Anna Atkins gegen viele Widerstände ihre fotografischen und wissenschaftliche Arbeiten vorantrieb, im Gepäck all die Verluste ihres Lebens, Fragen der Erinnerung und der Belichtung. Leise eingestreut sind kleine Einblicke in botanische sowie koloniale Geschichte des viktorianischen Zeitalters.



So viel Licht und Wärme stecken in diesem Buch — das vom Leben und Wirken einer faszinierenden Frau erzählt — aber auch die schattenwerfende Tragik persönlicher Verluste und großer Weltungerechtigkeiten. Simone Scharbert leuchtet mit ihrer Sprache in all das hinein, malt uns ein Leben und eine Zeit mit Worten, klug und zart, genau und vielschichtig. Simone Scharberts literarische Stimme ist so kostbar, so welt- und herzöffnend gleichzeitig. Sie lesen zu dürfen ist immer ein Geschenk. – Maria-Christina Piwowarski
Wer »du, alice« von Simone Scharbert kennt, weiß, wie besonders sie schreibt, wie eindringlich und unvergesslich ihre Texte sind. – Nicole Seifert