Was ein Gedicht sein kann? Alles. Frieda Paris‘ Debüt »Nachwasser« ist durchlässig, tiefschichtig, auffächernd. Hier schreibt eine Schreibende, die den Einflüsterungen ihrer Wortmütter ebenso lauscht wie denen eines Vogels, der auf ihrer Schreibschulter ein Nest gebaut hat. Der Text lässt seine Leserinnen und Leser an der Entstehung eines langen Gedichts teilhaben, nimmt sie mit an den SCHNEIDETISCH, wo alles zusammenfindet: gestrandetes Poesiegut, Tränensalz, Wörter der Kindheit – und Zettelrückseiten aus dem Nachlass der großen Wortmutter Friederike Mayröcker. Unbeirrt legt die Autorin Sätze für sich und die Lesenden auf die Kante des Tischs, hin zu einem einzigen lebenslangen Satz, in der Hoffnung, er möge – irgendwann – auf jemanden zuhalten.

Man muß sich »Nachwasser« vorstellen wie Chris Markers Filmessay »Sans Soleil« – mit ruhiger Stimme vorgelesene Briefe, während die Schauplätze wechseln, von Wien nach Hokkaido, zurück in die Kindheit in Süddeutschland, vom Schnee zum Sand, und darüber die Schrift, in der Schwebe. – Marcel Beyer

Dieser Text ist wie ein erster Auszug. Ein Zwischenstand auf dem Weg zur Verwurzelung mit den anderen, den Weggegangenen, den Vordichter:innen. Frieda Paris schreibt vom Einfellen, vom Einsteigen in Wörter, die sich einem wie ein Schal umlegen. Gedichte handeln vom Gedichte Schreiben. – Caca Savic

Paris hat mir ihrer flexiblen literarischen Form einen Weg gefunden, auf das Weltgeschehen und die wachsenden Archive zu reagieren und sich dabei, wie es einmal so schön heißt, vor »Eingattung« und »Eingitterung« zu bewahren. – Alexandru Bulucz

Frieda Paris hat ein Langgedicht geschrieben, das mit allen Nachwassern gewaschen ist. Mit befreiender Frechheit wirft sie die Genregrenzen zwischen Gedicht und Essay über Bord und mit einen unbändigen Lust am Tanz setzt sie lange Wechselschritte, die tatsächlich von Friederike Mayröcker bis zu Marilyn Monroe führen. – Wolfgang Popp, Ö1

Paris’ Sprache hat große Verbindlichkeit, die Dichterin am „Sammelhang“ betrachtet jede Art von Material als wichtig: Abschiede, Heuschnupfen, Briefumschläge. Alles darf und kann Quelle sein. Es ist eine beeindruckende Gleichwertigkeit, die der Montage innewohnt; Nachwasser liest sich smooth, während sich in den eigenen Gedanken schon unbemerkt schimmerndes Paris-Vokabular einnistet. – Helene Proißl, Standart

Nachwasser ist eine Umarmung. Das Fell, das sich um den Zweifel legt, wie Frieda Paris’ Langgedicht sich um mich legt. – Evelyn Bubich, Poesiegalerie

Obwohl sie so viel Mayröcker-Material in ihren Band einspeist wie vermutlich kaum jemand sonst, gelingt ihr eine ganz eigene Sagweise – und ein sehr anregendes Lyrikdebüt. Das Fahrwasser hat sich bei ihr in ein „Nachwasser“ verwandelt. – Nico Bleutge, DLF Kultur

amüsant, berührend und politisch. – Christian Pausch, FM4

Ein Langgedicht, an dessen Entstehung die Leserinnen und Leser unmittelbar teilhaben. – SWR Kultur Bestenliste

Oft als Nischenprodukt der Literatur bezeichnet, erlebt die kurze literarische Form in den sozialen Medien eine wahre Renaissance. – ORF Bestenliste

Und so zieht einen das Langgedicht “Nachwasser“ von Frieda Paris in seine Wortwelt hinein, die sich wie die Federkrone eines Pfaus vor den Leserinnen und Lesern in aller Schönheit ausbreitet. – WDR 5

  • Nachwasser
    Buch 22.00 EUR
    Klappenbroschur, 136 S.
    18. März 2024
    9783942375696
    9783942375696
Stimmen

Paris hat mir ihrer flexiblen literarischen Form einen Weg gefunden, auf das Weltgeschehen und die wachsenden Archive zu reagieren und sich dabei, wie es einmal so schön heißt, vor »Eingattung« und »Eingitterung« zu bewahren.

Alexandu Bulucz, Buchkultur

Dieser Text ist wie ein erster Auszug. Ein Zwischenstand auf dem Weg zur Verwurzelung mit den anderen, den Weggegangenen, den Vordichter:innen. Frieda Paris schreibt vom Einfellen, vom Einsteigen in Wörter, die sich einem wie ein Schal umlegen. Gedichte handeln vom Gedichte Schreiben.

Caca Savic

Man muß sich ‚Nachwasser‘ vorstellen wie Chris Markers Filmessay ‚Sans Soleil‘ – mit ruhiger Stimme vorgelesene Briefe, während die Schauplätze wechseln, von Wien nach Hokkaido, zurück in die Kindheit in Süddeutschland, vom Schnee zum Sand, und darüber die Schrift, in der Schwebe.

Marcel Beyer