Rote Spindel, schwarze Kreide

Märchen im Gedicht

Vom Weg abkommen, ins Abenteuer stürzen, wieder alte Zauber spüren: Noch immer führen Märchen unsere Fantasie davon. Grell oder subtil, nie auserzählt und selten vollständig zu durchdringen. In immer neuer Inszenierung finden sich Märchen oder Märchenelemente in allen Spielarten von Kunst, Musik, Kultur.


Es überrascht nicht, dass Märchen auch die Poesie inspirieren. Es überrascht eher, dass märchenhafte Lyrik bisher nicht in dieser Form zusammengekommen ist. Dabei sind sich beide Genres äußerst nah. Am Wunderbaren rühren, die eigene Zeit verwandeln oder hinterfragen, vertuschen und verblüffen, es mit dem Unergründlichen aufnehmen: Das können Märchen, können Gedichte. Auf welch vielfältige Weise sie das tun, zeigt diese überfällige Anthologie. Über mehr als ein Jahrhundert verfolgen Birgit Kreipe und Ron Winkler Anverwandlungen von Quellcodes, poetische Twists und Resonanzen auf Märchenstoffe in der deutschsprachigen Lyrik – von Aschenbrödel bis Schneewittchen, von Brüderchen und Schwesterchen bis zu Sindbad und dem Vogel Rock.

Stimmen

Die Wirkung dieser Lektüre ist phänomenal zu nennen, denn die Märchengestalten erleben in der Poesie eine Art Wiedergeburt, die atemberaubend nah an uns heranrückt.

Kerstin Fischer, Lyrikatelier Fischerhaus

Die von der Lyrikerin Birgit Kreipe und und dem Lyriker Ron Winkler hervorragend kuratierte Zusammenstellung […] sucht im Märchen nach einem Gegenpol zur mentalen Ortlosigkeit des Menschen im 21. Jahrhundert genauso wie nach ideologischen Verkrustungen beim Frauenbild und der Erziehungsmoral. Die poetische Sprache wirkt unterdessen entstaubend und verhilft den alten Texten zu einer verblüffenden Gegenwärtigkeit.

Björn Heyer, Der Freitag