Magic Man

Vom Zauber der Dinge

Florian Horwaths Sammelleidenschaft beginnt früh, in den späten Achtzigerjahren, da sind es noch Plastikuhren und er Schüler in einer mittelgroßen Kleinstadt in der österreichischen Provinz. Schon da geht es ihm nicht nur ums Besitzen, sondern mehr ums Finden – und auch ums Weiterverkaufen.

Anfang der Neunziger kommt das Internet mit all seinen herrlichen Möglichkeiten. Auf einer der ältesten und wichtigsten
Second-Hand-Designermode-Seiten besteht Horwaths Nutzername aus nur einem Buchstaben, er ist also unter den Ersten, die sich in den schrägen Markt des Handels mit obskurer Mode werfen — immer weiter taucht er ein — und gelegentlich auch unter …

Wir wühlen uns hier mit ihm durch Postpäckchen und seinen Schrank, über Helmut-Lang-Mantel-Prototypen, Flohmarktuhrenschnäppchen, bis hin zum Riot! Riot! Riot!-Bomber von Raf Simons, den er mehrmals besitzt und wieder verkauft. Wie dieser letztendlich zum Weihnachtsgeschenk von Kim Kardashian an ihren Mann wird ist nur einer der grandios komischen Episoden in diesem Buch, für das man keine Ahnung von Mode zu haben braucht, nur ein bisschen Sinn fürs Jagen und Sammeln, für den prickelnden Zauber der Dinge und den sich grandios anfühlenden Moment, in dem man rufen kann: Meins!!

Stimmen

Helmut-Lang-Jacken, Rolex-Uhren, belgische Modedesigner — das ist alles überhaupt nicht mein Ding, interessiert mich Nullkommajosef. Aber warum habe ich dann dieses Buch mit so großem Vergnügen gelesen? Anscheinend liegt in dem, was Florian Horwath schreibt, eine so große poetische Kraft, er könnte auch vom Angeln oder Steuererklärungausfüllen schreiben und es würde einen vom Hocker reißen. Wer das nicht liest, ist selber schuld!

Sven Regener