Rosa in Grau. Eine Heimsuchung

»Wann immer ich kann, male ich Wörter. Mit dem Zeigefinger. Auch hier in der Anstalt. Drinnen, draußen. Auf alles, was mir unterkommt, male ich Wörter. Ich male auf Wände, auf Fenster, auf Tischplatten. Ich male auf Haut, auf Kleidung, auf Laken.«

Simone Scharbert führt uns mit »Rosa in Grau« in psychiatrische Anstalten der Nachkriegszeit. An Orte, wo Menschen ohne Privatsphäre unter katastrophalen Bedingungen leben. Erzählt wird aus der Perspektive einer jungen Mutter, die Anfang der 50er-Jahre in Haar-Eglfing eingeliefert wird. Wie so viele Frauen, die sich nicht in die Gesellschaft ihrer Zeit einfinden können. Frauen, die gezwungen sind, ihr eigenes Leben aufzugeben und stattdessen Jahrzehnte in der Psychiatrie verbringen – mehr verwahrt als behandelt. Menschen, die etwas aus sich selbst heraus schaffen müssen, um das Leben weiter zu ertragen. Ein aufwühlender, sprachlich funkelnder Roman über Kontrollverlust und Grenzerfahrungen, über Liebe und Freundschaft. Und über die Kunst als letztes Refugium der Hoffnung – mit engen Bezügen zur Sammlung Prinzhorn.

Stimmen

Was für ein starkes, tiefes Buch! Und mit der thematischen Tiefe erfasst uns auf jeder Seite eine innige Wortliebe. Mit Präzision und Poesie erzählt Simone Scharbert vom schwer Fassbaren. Ihre Sprache zieht uns in die direkte Umlaufbahn der inneren und äußeren Unfreiheit einer Frau, die stellvertretend für viele weitere steht.

Maria-Christina Piwowarski (Buchhandlung Ocelot, Berlin)

Simone Schaberts Stimme ist leise, einfühlsam und kraftvoll in ihrer Authentizität. Sie hat einer Frau – stellvertretend für die vielen Frauen, die jahrelang in den psychiatrischen Anstalten sein mussten – eine Stimme gegeben, die die Psychiatrie (oder die Gesellschaft) zu Objekten gemacht hatte.

Ottmar Miles-Paul, Kobinet-Nachrichten

Linguistically sparkling, this original novella brings women’s voices to the fore and deals with loss of control, borderline experiences, love, friendship and art.

New Books in German

Es ist ein inhaltlich harter und literarisch zarter Roman, den Simone Scharbert geschrieben hat. Ein sprachlich dichter Text, der es auf intensive Weise schafft, die verschwimmenden Vorstellungswelten dieser jungen Frau erfahrbar zu machen. Zugleich schafft die Autorin mit diesem Buch Sichtbarkeit für viele verschwundene und vergessene Menschen, die durch diese Anstalten durchgeschleust, gefoltert und ermordet wurden.

Lara Sielmann, Deutschlandfunk Kultur

Die Poesie in der eigentlich dunklen, traurigen Geschichte hellte mich auf und ließ mich nicht allein im Hier stehen. Eine Zartheit nahm ich war. Eine Verlorenheit, die ich kenne. Und unter all dem ein Leuchten! […] Dieser Text steht für all die Frauen, die man oft in die Psychiatrie schickte, weil sie dem jeweiligen Rollenbild ihrer Zeit nicht entsprachen.

Marina Büttner, literaturleuchtet